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Gedanken

Ich habe gerade ein wenig im Archiv dieses Blogs gegraben und viele Erinnerungen sind hoch gekommen.

Über die Anfänge dieser Beziehung, was da so passierte, was mich bewegte. Vieles habe ich vergessen in der Zwischenzeit, wohl, weil sich soviel getan hat.

Von unserem ersten Treffen bis heute hat sich ja viel getan.

"Komm doch einfach mal nach Marburg...ich kann dir die Stadt zeigen, die ist ganz nett..."

In dem Moment hätte ich echt nicht geglaubt, dass er wirklich kommt, obwohl ich es mir gewünscht habe. Aber er kam tatsächlich. Ich war einkaufen, wissend dass er bald da sein würde, da klingelte mein Handy. Vom Laden bin ich losgehetzt in Richtung der Straße wo er bald auftauchen würde. Meine Info: Er fährt einen roten Kombi.... Auf dem Weg ist mir aufgefallen, wie viele rote Kombis es gibt! Naja, die meisten hatten Marburger Nummern, ich wusste zwar sein Kennzeichen nicht, aber als ich es sah dachte ich mir: Haste noch nie gesehen, könnte hinkommen ;-) ...Tja, da hatte er mir an dem Morgen extra nen Bild von sich geschickt (das hatte ich schön vor Augen) und was war: der rote Kombi, der ungefähr hinkommen konnte wegen unbekanntem Kennzeichen, ließ mich nicht auf den Fahrer schauen. Der Schatten vom Dach viel genau so, dass ich nen T-Shirt sehen konnte, aber keinen Kopf. Also bin ich einfach mal auf das Auto zugegangen, mit meinem Rucksack und den beiden Einkaufstüten, habe mir gedacht dass ich nicht zu übersehen bin und wenn es der richtige ist, dann wird er nicht vorbeifahren. So stieg ich dann blindlinks mitten auf der Kreuzung in ein fremdes Auto, zu einem fremden Mann und das erste was ich feststellte war: Puhh, ist der richtige :D ...so fuhren wir zu mir, er lud seine Sachen aus und ich meine Einkäufe. Nach ein bisschen Quatschen sind wir dann in die Oberstadt gegangen, er hatte nen (in meinen Augen) großen Fotoapperat dabei und wollte mich fotografieren. Ich wollte das nicht, kannte ihn ja nicht wirklich und nebenbei hasse ich mich auf Fotos. So halte ich auf einem der Fotos die Hand vors Gesicht, auf anderen hat er mich heimlich von hinten oder der Seite abgelichtet. Wir sind was essen gegangen und dann zu mir. Er hatte Filme mitgebracht und Massageöl (hatte ne fürchterliche Rückenverspannung, das hatte ich vorher mal erwähnt) womit er mich wirklich geduldig und hingebungsvoll sehr lange massiert hat, nicht wagend auch nur das T-Shirt höher zu schieben als ich es getan habe. Nicht wagend den BH zu berühren. Von dem Film bekamen wir nicht viel mit, haben uns unterhalten, auf Anhieb gut verstanden. Irgendwann, kam dann doch eines zum andern und naja *peng* *grins* ...Ihm hats bei mir gefallen, er ist mehr als nur über Nacht geblieben. Ich musste am nächsten Tag, ein Freitag, arbeiten. Hatte schon extra auf Spätschicht geschoben damit ich nicht um 7 raus muss (habe nicht viel geschlafen in der Nacht) Im Laufe des Tages beschloss er, dass er noch bleiben möchte, ich habe ihm für die Zeit in der ich im Laden war, meinen Ersatzschlüssel zur Wohnung gegeben. Klar, ich hatte ein etwas mulmiges Gefühl dabei, aber: Ich habe ihm vertraut. Seit der Nacht schon:

Ein Gedanke, den ich heute hatte...

... Mir fiel ein, dass ich noch NIE in meinem Leben in den Armen einer Person eingeschlafen bin. Also wenn derjenige wach war.
Das ist eine Art Angst die Kontrolle zu verlieren. Erst einschlafen zu können, wenn der andere schläft, aus Angst, er könnte irgendetwas machen, was ich nciht will, worüber ich keine Kontrolle habe... wie auch immer...
Ich habe auch generell nie in den Armen einer Person schlafen können. Kuscheln, und schmusen bis kurz vor dem Einschlafen, ja, aber nicht einschlafen, da brauchte ich immer meine Freiheit, da brauchte ich Platz und Ruhe. Ich habe auch NIE tief geschlafen, wenn ich nicht alleine war, war immer bei der kleinsten Bewegung, beim leisesten Geräusch wach.

An diesem Wochenende habe ich erlebt, dass es auch anders sein kann... Es ist mir nicht sofort aufgefallen, erst heute Nachmittag, aber es ist so! Ich bin in seinen Armen eingeschlafen, habe tief geschlafen, entspannt geschlafen...
...ungewohnt, überraschend, auch im Nachhinein...
...kann ich nicht verstehen, will ich nicht verstehen, will ich aber öfter haben, will mich immer so entspannen können, will mein Leben leben, ohne die unterbewussten Ängste, die mich quälen, wenn ich schlafe...
...Die Entspannung tut gut, sehr gut sogar!
Die Erkenntnis, in seinen Armen schlafen zu können, hat mich echt umgehauen, ich bin total überrascht..... positiv überrascht!
Zumal wir nicht zusammen sind, uns nicht wirklich vorher kannten...
Ich versteh mich nicht, aber passt schon... ich genieße es einfach

Das war der Blogeintrag der zu dem Wochenende gehört. Ich habe ihm vertraut, deswegen gab ich ihm meinen Schlüssel. Ich wusste einfach, dass er keine Scheiße anstellen würde und das tat er auch nicht. Er hatte mich zur Arbeit gefahren und später abgeholt. Ich war groggy wie meistens und er hat in meine Abwesenheit Geschirr gespült und Essen vorbereitet *seufz* So wurde der Abend wieder sehr schön und auch der Rest des Wochenendes. Geplant war, eine Nacht in Marburg, auf der Schlafcouch... Geworden ists: 4 Nächte in meinem Bett, 4 wunderschöne Nächte mit wenig Schlaf und 4 wunderschöne Tage die ich sehr genossen habe.

 

Wir trafen uns schneller wieder als geplant: Den Dienstag bin ich nach Berlin gefahren, am Wochenende war er auch da. So trafen wir uns in seinem Hotel und hatte da wieder eine schöne Nacht. Am nächsten Morgen bin ich mit dem Zug nach Marburg abgereist, er musste arbeiten. Aber schon am nächsten Wochenende ergab sich unser nächstes Treffen. Mit viel Zögern hat er mich zu sich nach Hause eingeladen. Zögern deswegen, weil er nicht wollte dass ich sehe wie er wohnt. Aber das waren unberechtigte Zweifel, ich fands nicht schlimm. So schliefen wir gemeinsam in seinem 1 m breiten Bett, Arm in Arm.

 

Die Wochen und Monate die folgten, haben mir unglaublich gut getan. Ich war immer auf Achse, kaum noch zuhause. Ich bin teilweise spätabends oder auch frühmorgens meistens sehr spontag zu ihm gefahren. Wir hatten viele schöne Stunden, Tage miteinander. Ich hoffe, ich denke, ich konnte ihm die arbeitsfreien Tage etwas versüßen.

 

Wir hatten auch schlechtere Tage. Einmal war er unterwegs, eigentlich garnicht wirklich zuhause, da hatte sich seine Ex angekündigt bei ihm nächtigen zu wollen. Er hat es mir vorher gesagt, ich habe ihm vertraut. Was ich allerdings mächtig scheiße fand war, dass er an dem Wochenende nicht erreichbar war, antwortete auf keine SMS, ging nicht ran wenn ich anrief. Aber es war alles gut, nur viel Arbeit vorher und nur kurze Zeit zuhause. Seine Ex wollte wohl herausfinden, ob da noch was geht. Tja, ging nix mehr, ihr Pech, unser Glück.

 

Ein anderes Tief war meine Zukunft. Ich wusste schon längst, dass ich mein Studium schmeißen wollte, hatte mich auch in der Zwischenzeit beworben und studierte mehr oder minder nur noch auf dem Papier. Mit Zukunft meine ich aber auch: Wie geht es mit uns weiter. Ich liebte diesen Mann längst, er gab mir schon von Anfang an eine Geborgenheit, die ich mir nie erträumt hatte. Schon bevor wir zusammen kamen sprachen wir mal über unsere Einstellungen zu Kindern. Wir beide wollten welche, da waren wir noch nicht zusammen. Aber irgendwann (im Oktober?) drängte sich diese Sache auch bei uns auf. Ich war mir sicher den Mann gefunden zu haben, mit dem ich mein Leben verbringen möchte und mit dem ich eine Familie haben möchte. Ich weiß nicht wie er drüber dachte zu dem Zeitpunkt, aber einen Tag hatte er ein Tief. Er dachte genau darüber nach, dass er Familie haben will und das möglichst bald. Es tat weh, es tat so unglaublich weh was er an dem Tag zu mir sagte, mir schrieb. Ich kann und will es nicht wiedergeben, weiß es aber noch (zumindest sinngemäß ich habe viel geweint und habe ihn überredet dass ich zu ihm fahre, denn ich wollte das nicht im Chat klären. Also bin ich hin, für einen halben Tag und wir haben nichts geklärt, uns nicht ausgesprochen. Ich weiß aber dass wir entweder an dem Tag oder aber dem Nächsten Treffen beschlossen haben, dass wir eine gemeinsame Familie wollen. Obwohl wir erst relativ kurz zusammen
waren, obwohl ich noch keine Ausbildung habe. Wir haben also beschlossen den Nuvaring abzusetzen, haben uns gedacht, dass das dauern kann, bis ich schwanger werde, hatte ja schließlich 6 Jahre lang Hormone genommen.

 

28.11. letzte Periode, Anfang Januar ein positiver Schwangerschaftstest. Morgens habe ich den gemacht, meine Hände zitterten als ich die blasse Linie sah. Ich habe eine Schachtel vobereitet mit den Tests, Schnuller und einer Karte drin. Ich glaube ich habe da was drauf geschrieben wie "jetzt können wir uns ein Nest bauen" Abends bin ich direkt von der Arbeit in den Zug gesprungen, ich weiß noch dass mich eine Kollegin mit zum Bahnhof genommen hat. So kam ich pünktlich, der Zug kam pünktlich und... stand still. Kurz hinter Marburg war nix mehr. Unfall auf der Strecke. Wir standen da knapp 2 Stunden, dann sollte es eigentlich zurück nach Marburg gehen aber der Zug fuhr doch in Richtung Heidelberg. So bin ich mit 2 Stunden Verspätung mit der letzten Bahn angekommen, völlig fertig aber auch tierisch aufgeregt und zittrig. Bei ihm angekommen setzte er sich an seinen Schreibstisch, ich saß auf dem Bett dahinter und sagte nur: "Ich hab dir was mitgebracht" und gab ihm die Schachtel. Er machte sie auf, schaute sich alles an und sagte 10 Minuten garnichts. Die Ellenbogen auf dem Schreibtisch gestützt, den Test in der linken Hand und die Rechte vor dem Mund schaute er 10 Minuten lang abwechselnd den Test an und starrte in die Luft. Zwischendurch schaute er immer mal wieder zu mir aufs Bett, ich glaube ich saß da wie ein Häuflein Elend. War ein nervliches Wrack und konnte überhaupt nicht deuten was er nun denkt. Konnte in seinem Gesicht nichts lesen, weil er die Hand vor dem Mund hatte. Irgendwann setzte er sich zu mir aufs Bett, immernoch ungläubig, schaute auf meinen Bauch, schaute mir ins Gesicht und sagte (glaube ich) "Wir kriegen das hin" ...es hat so gut getan, seine Stimme zu hören, diese Worte zu hören. Wir waren beide total fertig. Er brauchte erst einmal einen Schluck von seinem guten Whisky.

 

Die nächste Zeit war geprägt von Vorfreude und Ängsten. Die ersten 12 Wochen sind ja ohnehin kritisch aber ich hatte noch das Vergnügen, dass ich operiert werden musste in der Zeit und das machte mir unheimliche Angst. Ich musste da ganz alleine in die Klinik, die haben nur eine Spinalanästhesie gemacht aber ich war, von morgens bis abends gegen 6 uhr außer Gefecht gesetzt. Ich hatte keinen Empfang, die Beine waren betäubt so dass ich nicht laufen konnte und hatte ihn nur gegen Mittag mal anrufen können, dass alles gut gegangen war. Er hatte sich tierische Sorgen gemacht, alle zur Sau gemacht, mich X-Mal versucht anzurufen und mehrere SMS geschickt. Als ich dann die Klinik abends verließ und wieder Netz hatte, bekam ich als allererstes Vorwürfe zu hören. Na toll, so habe ich mir das aber nicht vor gestellt. Ich war ja schließlich völlig fertig von der Nummer, hatte da auch 2 Wochen später noch Spass dran... Naja, er hatte sich halt tierische Sorgen gemacht....

 

Im März sind wir dann zusammengezogen. Den Hochzeitstermin hatte wir da auch schon gemacht. Wenn dann richtig. Ich hatte nicht vor, diesen Mann noch einmal gehen zu lassen und das habe ich immer noch nicht.

 

So haben wir geheiratet am 19.5.2007, am 19.9. soll unsere Tochter zur Welt kommen.

 

Alles ging sehr schnell, aber ich bereue nichts, keine Sekunde, keine Entscheidung. Ich liebe diesen Mann und ich will mein Leben mit ihm teilen. Jede Sekunde, die guten und die schlechten Zeiten!

fallenangelx verlinken 30.6.07 22:17, kommentieren

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