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Trauer

Heute hat mich ein Post beim Bestatter wieder an etwas erinnert, was ich am liebsten vergessen würde, aber nicht kann: Der Selbstmord eines Freundes, den ich schon aus dem Sandkasten kannte und mit dem ich 13 Jahre lang in dieselbe Klasse ging. Wir hatten gerade unser Abi bekommen, ich ging studieren, er machte eine Ausbildung und eines Morgens rief mich meine Mutter an und sagte mir, dass er tot sei, die Polizei untersuche noch, ob es ein Unfall war.

Ich erinnere mich genau an diesen Tag, an dieses Telefonat. Ich war wie ferngesteuert, nicht fähig zu irgenwas. Nach dem ersten Zusammenbruch bin ich raus, dankbar dass Rammstein kurz davor Rosenrot rasgebracht hatte. Ich hörte die Titel "Rosenrot" und "Spring" in Endlosschleife, es tat gut, auch weil ich wusste, dass er auch Rammstein hörte, vielleicht sogar während er starb, denn vermutlich hörte er mp3, als es passierte.

Ich ging in die Stadt und traf dort eine andere Freundin, die zuletzt noch mehr mit ihm zu tun hatte. Sie war fröhlich und lachte - wusste von nichts. Schlimm zu wissen dass man jemandem den Tag versauen muss. Dann weinten wir gemeinsam, es war wohl der schlimmste Tag in meinem Leben!

Die Beerdigung war grausam. Er war evangelisch aber der katholische Pfarrer hatte die Kirche zur Verfügung gestellt, weil in die evangelische Kapelle keine 30 Personen gepasst hätten. So waren weit über 100 Menschen in der Kirche, ich auch. Später erfuhr ich, dass draußen so viele Menschen waren, dass die Straße blockiert war.

Ich brach zusammen in der Kirche. Konnte nichtmehr, nurnoch weinen, nicht verstehend warum er gehen wollte. Er hatte sein Leben vor sich und wählte den Tod. Bestimmt nicht unüberlegt, denn er ist sicher 10-15 Minuten auf den Schienen gelaufen, wissend wann genau der Zug kommen würde, wissend, dass er von hinten käme, er ihn nicht sehen müsse.

Ein wahnsinns langer Trauerzug ging von der Kirche zum Friedhof, dort waren nochmal so viele Menschen. Ich verabschiedete mich am Grab, brach völlig zusammen, 2 Freundinnen und meine Mutter brachten mich nach Hause.

Keiner weiß warum er das getan hat.

Für ihn war es ein kurzer Schmerz, unser Schmerz darüber wird nie vergehen

fallenangelx am 3.10.07 11:37

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